Die fünf größten Schwächen eines verlierenden NL-Spielers (5)


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Die fünf größten Schwächen eines verlierenden NL-Spielers (5)



Die fünf größten Schwächen eines verlierenden NL-Spielers (5)

Nr. 5: Handlesen

In der Lage zu sein, Informationen über Ihren Gegenspieler, die Gemeinschaftskarten und vergangene Erfahrungen zu verarbeiten, werden Ihnen dabei helfen, ein besserer Handleser zu werden. Ihre Fähigkeiten im Handlesen zu verbessern wird es Ihnen erlauben, innerhalb einer Session mehr “korrekte” Entscheidungen zu fällen, was dazu führt, Spiele mit höherer Erwartung zu machen.

Das Fundamentale Pokertheorem von David Sklansky erklärt, warum dies so wichtig ist:

“Jedes Mal, wenn Sie eine Hand anders spielen, als Sie sie gespielt hätten, wenn Sie die Karten aller Gegenspieler sehen könnten, gewinnen diese; und jedes Mal, wenn Sie Ihre Hand genau so spielen, wie Sie sie gespielt hätten, wenn Sie all deren Karten sehen könnten, verlieren diese. Umgekehrt, jedes Mal, wenn Ihre Gegenspieler ihre Hände anders spielen, als sie sie gespielt hätten, wenn sie all Ihre Karten sehen könnten, gewinnen Sie; und jedes Mal, wenn sie ihre Hände genau so spielen, wie sie sie gespielt hätten, wenn sie all Ihre Karten sehen könnten, verlieren Sie.

Das Folgende zu entwickeln, ist der Schlüssel dazu, diese Fähigkeit zu verbessern:

1.Lesen der Einsätze, Timings und Muster der Gegenspieler
2.Analysieren der Gemeinschaftskarten
3.Prozess der Elimination
4.Aufnehmen von Notizen

1. Lesen von Einsätzen, Timings und Tendenzen der Gegenspieler
Unsere Gegenspieler tendieren dazu, uns mit einer Menge an Informationen darüber zu versorgen, wie groß die relative Stärke ihres Blattes ist. Es liegt an uns zu bestimmen, was welche Bedeutung hat, und dann diese Information auf die fragliche Hand anzuwenden.

Die Höhe des Einsatzes

Aus der Dimensionierung der Höhe des Einsatzes durch einen Gegenspieler kann man eine Menge herauslesen. Es gibt keine exakte Regel, mit der sich bestimmen lässt, welche Einsatzhöhe Stärke und welche Schwäche bedeutet, daher ist es Ihre Aufgabe, Ihre Gegenspieler sorgfältig zu beobachten und darüber Notizen zu machen, welches Handeln welche Bedeutung hatte.

Generell tendieren sehr kleine Einsätze dazu, mit einem schwachen Blatt geleistet zu werden. Sie werden schwache Gegenspieler sehen, die gegen einen PF-Aggressor mit einem kleinen Einsatz wetten; das ist normalerweise eine Hand, die einem großen Ausmaß an Aggression nicht standhält. Wenn Sie einen Spieler dabei beobachten, dass er einen kleinen Betrag gegen den PF-Aggressor setzt und dann mitgeht oder erhöht, dann notieren Sie sich unbedingt, dass dessen kleine Einsätze nicht notwendigerweise eine Schwäche bedeuten.

Die Dimensionierung des Einsatzes kann außerdem ein Zeichen für einen starken oder für einen schwachen Gegenspieler sein. Es kann außerdem signalisieren, ob jemand ein “Keks-Schnippsler-TAGG” ist. Dieser Spieler verwendet auf allen Straßen die “übliche” Dimensionierung von Einsätzen. Sie spielen Poker, als ob es ein Malen-nach-Zahlen-Spiel ist, kaum jemals von der Norm abweichend.

Krumme Einsätze sind normalerweise ein Zeichen von Stärke. Normalerweise muss jemand sehr komfortabel mit seinem Blatt und seiner Aktion sein, um sich die Zeit zu nehmen, 1757 zu setzen, anstatt den Schieber auf 1700 oder 1800 zu ziehen. Das zu bemerken, könnte Ihnen in der Zukunft einiges an Geld sparen. Wie immer, machen Sie sich eine Notiz über solche Einsätze; falls Sie ein Gegenspieler überrascht und schließlich eine schwache Hand hat, nachdem er einen krummen Einsatz geleistet hat, dann würden Sie davon profitieren, dies zu notieren.

Verräterisches Timing

Der Hauptunterschied zwischen Online-Poker und Live-Poker ist, dass die visuellen Hinweise, die man in einem Casino erhält, online nicht vorhanden sind. Das heißt jedoch nicht, dass wir unsere Gegenspieler nicht lesen können. Das Timing kann eine Menge Informationen über die Stärke der Hand eines Spielers verraten, und über deren mögliche weitere Aktivitäten auf künftigen Straßen.

Eine Einschränkung: Gegen jemanden, der an einer großen Anzahl von Tischen gleichzeitig spielt, bewahrheiten sich diese Hinweise möglicherweise nicht.

Das am häufigsten vorkommende verräterische Timing ist, wenn jemand ohne zu zögern schiebt, setzt, erhöht oder mitgeht. Um herauszufinden, was das bedeutet, muss man in den Geist des Gegenspielers eintauchen. Falls ein Gegenspieler in der Lage ist, sich blitzschnell zu einer bestimmten Aktion zu entschließen, dann kann die Entscheidung keine besonders schwierige gewesen sein. Generell ist es so, dass sehr schnelles Handeln auf eine polarisierte Stärke der Hand hinweist, was bedeutet, dass diese entweder sehr stark oder aber, in den meisten Fällen, sehr schwach ist. Falls Ihr Gegenspieler eine mittelstarke Hand hätte, hätte es vermutlich länger gedauert, eine Entscheidung über die am besten geeignete Aktion zu fällen, anstatt sofort zu handeln.

Sich verräterisches Timing zu Nutze zu machen, kann Ihnen auf verschiedenen Wegen helfen. Falls Ihr Gegenspieler schiebt und bei einem Continuation-Bet sehr schnell mitgeht, dann können Sie feststellen, dass er eine schwache Hand mit einem Paar hat, die nicht besonders viel Aggression standhalten kann. Er ist beim Flop so schnell mitgegangen, da er wusste, dass seine Hand zu gut zum aussteigen ist, aber zu schlecht, um damit zu erhöhen. Dies könnte es Ihnen erlauben, mit einer schwachen Hand selbst einen Einsatz beim Turn zu leisten, um damit Ihrem Gegenspieler den Pott zu stehlen.

Tendenzen des Gegenspielers

Während Sie sich durch die Limits nach oben bewegen, werden Sie beginnen festzustellen, dass sich die Spielerbasis immer stärker ausdünnt. Bei 25nl könnten Sie vermutlich den ganzen Tag lang spielen, ohne zweimal auf den gleichen Gegenspieler zu treffen, aber dies trifft bei höheren Limits nicht zu. Je schneller man dabei ist, sich auf die Tendenzen eines Gegenspielers einzustellen, desto besser wird man spielen, entsprechend dem Fundamentalen Pokertheorem.

Die besten Spieler um hohe Einsätze sind ohne Zweifel die, die am besten darin sind, die Muster ihrer Gegenspieler zu identifizieren und dann die notwendigen Anpassungen vorzunehmen. Hier folgen nur zehn Beispiele für Muster, die es wert sein könnten, notiert zu werden:

1.Schurke erhöht PF aus früher Position und hat KJo beim Showdown
2.Schurke macht 3-Bet PF und hat 97s beim Showdown
3.Schurke geht PF eine Erhöhung mit und hat am Ende AKo
4.Schurke geht PF eine Erhöhung mit aus SB und zeigt letztlich 78o
5.Schurke geht Continuation-Bet mit, schiebt beim Turn und River und hat am Ende einen Flush Draw
6.Schurke erhöht PF, schiebt beim Flop, setzt beim Turn und River und zeigt eine gefloppte Top-Paar-Hand
7.Schurke macht 4-Bet PF und passt bei 5-Bet Shove
8.Schurke macht 4-Bet PF und hat AQ beim Showdown
9.Schurke geht PF mit, schiebt/erhöht beim Flop und hat einen Flush Draw beim Showdown
10.Schurke geht PF mit, schiebt/geht mit beim Flop und hat am Ende ein Set

All diese Beobachtungen können Ihnen dabei helfen, in der Zukunft die Stärke des Blattes Ihres Gegenspielers besser einschätzen zu können. Es ist gut zu notieren, dass der Schurke keinen 3-Bet für AKo macht oder dass er KJo in früher Position eröffnet, weil Ihnen dies bei zukünftigen Spielen eine bessere Vorstellung davon gibt, was für ein Blatt er halten könnte.

2. Analysieren der Gemeinschaftskarten
Einfach und deutlich gesagt legen die Gemeinschaftskarten zu einem großen Teil fest, welche möglichen Blätter Ihre Gegenspieler haben könnten.

Ein Flop von J:s: T:s: 8:h:, den man als einen “nassen” Flop ansehen würde,

ist viel gefährlicher als

ein Flop von K:d: 8:c: 4:h:, den man als einen “trockenen” Flop ansehen würde.

Der erste Flop enthält eine breite Vielzahl an möglichen Draws und 2-Paar-Händen. Der zweite Flop enthält keine Draws und insgesamt gibt es nur einige wenige mögliche starke Hände, die man mit diesen Gemeinschaftskarten komplettieren könnte. Wenn Sie es mit einem Gegenspieler zu tun haben, der beim ersten Flop aggressiv spielt, dann wäre es schwierig daraus abzuleiten, welches Blatt er hält. Er könnte ein Blatt wie Three-of-a-Kind oder einen Ace-High Flush Draw haben, oder sogar eine Hand wie J9, die ein Top-Pair und ein Open-ended Straight Draw ist.

Stellen Sie dem den zweiten Flop gegenüber, falls der Gegenspieler hier aggressiv spielt, dann hat er entweder eine starke Hand wie AK/KQ/88/44 oder er blufft, bei einem solchen “trockenen” Flop gibt es normalerweise nicht viel dazwischen.

In der Lage zu sein zu analysieren, welche Flops gut geeignet für Continuation-Bets sind oder welche Flops gut für einen Bluff-Raise sind, kann dabei helfen, Ihre Gewinnrate zu verbessern. Generell möchten Sie dafür solche Gemeinschaftskarten wählen, bei denen Ihr Gegenspieler keine weite Bandbreite an starken Blättern halten kann. Während Sie in den Limits aufsteigen werden Ihnen andere Spieler begegnen, die dies gelernt haben, daher nochmal, sich deren Tendenzen anzupassen wird der Schlüssel zum Erfolg sein.

3. Prozess der Elimination
In der Lage zu sein, den Prozess der Elimination anzuwenden, ist der Schlüssel zum Handlesen beim Poker. Generell ist es ein mehrteiliger Prozess, in der Lage zu sein, die möglichen Blätter Ihres Gegenspielers einzugrenzen. Je mehr Informationen wir gewinnen, desto mehr werden wir dazu in der Lage sein, den möglichen Bestand unseres Gegenspielers zu einzuschränken. Lassen Sie uns eine typische Hand anschauen und diese Straße für Straße durchgehen:

Unser hauptsächlicher Schurke (Villain1) ist der Spieler im Small Blind

UTG ($39.45)
Villain2 (MP1) ($62.80)
Hero (MP2) ($100)
CO ($112.45)
Button ($96.90)
Villain1 (SB) ($98.60)
BB ($49.90)

Preflop: Hero ist MP2 mit Q
Villain2 geht $1 mit, Hero erhöht auf $5, 2 Ausstiege, Villain1 geht $4,50 mit, 1 Ausstieg, Villain2 geht $4 mit

Durch die Verwendung eines Tools wie PokerTracker und eines Heads-Up-Displays kann unser Gegenspieler als sehr aggressiv klassifiziert werden. Er spielt fast 40% seiner Hände PF und erhöht davon 30%. Wir haben gesehen, dass er 3-Bets mit AKo und AQs PF gemacht hat und dass er außerdem eine Pre-Flop-Erhöhung mit A5o mitgegangen ist.

Daher können wir, nachdem er PF mitgeht, einige stärkere Bestände aus seiner Bandbreite eliminieren. Wir folgern, dass er nicht JJ-AA, AK haben kann.

Flop: ($16) Jh As 7d (4 Spieler, 1 All-In) Villain1 schiebt, Villain2 schiebt, Hero setzt $11, Villain1 geht $11 mit, 1 Ausstieg

Der Flop ist für uns ein guter, Top-Pair Good Kicker ist offensichtlich eine starke Hand gegen einen Kontrahenten wie diesen. Er schiebt und geht dann bei einer Continuation-Bet in üblicher Höhe mit. Seine Bandbreite ist nun Ax, Jx und möglicherweise einige Gutshot Straight Draws. Eine Notiz über Villain1 zeigt, dass wir ihn in der Vergangenheit aggressiv 2-Pairs haben spielen sehen.

Turn: ($38) Kc (3 Spieler, 1 All-In) Villain1 schiebt, Hero setzt $30, Villain1 erhöht auf $82,60 (All-In)

Bei diesem Turn entscheidet sich unser Gegenspieler dafür, zu schieben und uns dann All-In zu erhöhen. Seine Tendenzen zu verstehen macht die Entscheidung, mitzugehen oder nicht, viel einfacher als sie zu sein scheint. Hero weiß, dass er einen 3-Bet für AA/KK/JJ/AKo PF und mit Händen wie A7o oder KJo mitgehen würde. Hero weiß außerdem, dass er 2-Pairs gerne aggressiv spielt, was AJ und A7o weniger wahrscheinlich macht. Daher sind beim Turn die einzigen drei Hände, um die Hero sich Sorgen machen muss, 77, KJ und QT. Sein Gegenspieler könnte jedoch bluffen oder darauf hoffen, den Wert seines Blattes zu erhöhen, was – glücklicherweise für Hero – hier der Fall war.

Hero geht $52,60 mit

River: ($203.20) 4s (3 Spieler, 2 All-In)

Gesamter Pott: $203.20 | Rake: $3

Ergebnisse: Villain1 hatte Ad, 8d (ein Paar, Asse).
Hero hatte Qc, Ah (ein Paar, Asse).
Resultat: Hero gewinnt $200,20.

In der Lage zu sein, die Aktionen unseres Gegenspielers auf jeder Straße durchzugehen, hat es Hero erlaubt, erfolgreich feststellen zu können, dass er gegenüber Villain im Vorteil ist. Hätte er sich nicht Notizen über diesen Gegenspieler gemacht und seine Tendenzen in der Vergangenheit studiert, dann hätte Hero womöglich anders gehandelt. Daher ist es so kritisch, in der Lage zu sein, Hände aus der möglichen Bandbreite eines Gegenspielers zu eliminieren. Alle denkbaren Informationen zu Ihrem Vorteil zu verwenden wird Ihnen großartig dabei helfen, die Bandbreite Ihres Gegenspielers einzugrenzen, was Sie dann in die Lage versetzt, wesentlich einfacher die richtige Entscheidung zu fällen.

4. Aufnehmen von Notizen
Das Aufnehmen von Notizen ist das Werkzeug, das beim Online-Poker am meisten vernachlässigt wird. Beim Online-Poker neigen wir dazu, den selben Gegenspielern häufig wieder zu begegnen. Ihre Muster zu beobachten und Notizen über sie anzulegen hilft Ihnen langfristig dabei, Ihre Erträge zu erhöhen. Die Tendenzen, die wir zuvor diskutiert haben, sind großartige Beispiele dafür, was man sich notieren sollte.

Notizen sollten kurz und einfach gehalten werden; manche Spieler haben sogar eine bestimmte Form von Kurzschrift entwickelt, um den Vorgang des Notierens zu beschleunigen. Denken Sie daran, je mehr Informationen Sie über Ihren Gegenspieler zur Verfügung haben, desto höhere Chancen haben Sie, die richtige Entscheidung zu treffen.

Programme wie PokerTracker oder Hold'em Manager erlauben es Ihnen, das Spiel Ihrer Gegenspieler nachzuverfolgen und darüber Notizen anzulegen. Von dort aus können Sie Ihre Notizen zur Pokersite Ihrer Wahl exportieren, was Ihnen einen unglaublichen Vorteil verschafft, wenn Sie das nächste Mal spielen. Sortieren Sie Ihre Datenbank, um die zehn Spieler zu identifizieren, für die Sie die meisten Hände protokolliert haben. Schauen Sie sich deren größte gespielte Hände (im Hinblick auf den Geldbetrag) an und notieren Sie sich, wie sie diese gespielt haben. Diese Information zur Verfügung zu haben, könnte Ihnen in der nächsten Session viel Geld einbringen/ersparen.

Indem Sie alle verfügbaren Werkzeuge/Programme/Ressourcen zu Ihrem Vorteil nutzen, sollten Sie in der Lage sein, Ihre Fähigkeiten im Handlesen zu verbessern. Der beste Weg, um Ihr Handlesen kontinuierlich zu verbessern, ist via Versuch und Fehler. Bestimmen Sie, welches Blatt oder welche Bandbreite Ihr Gegenspieler Ihrer Meinung nach hat, und machen Sie sich unbedingt immer dann Notizen, wenn sich Ihre Einschätzung als falsch erweist. Je mehr Sie an dieser Fähigkeit arbeiten, desto besser wird sie werden, und damit auch die Gewinnrate.

Ich hoffe, dass Ihnen diese fünfteilige Serie, die sich mit den größten Schwächen eines verlierenden NL-Spielers beschäftigt, Gefallen bereitet hat. Bleiben Sie auf Empfang für weitere Poker-Einsichten in der nahen Zukunft.