Die Fult Tilt Saga geht weiter (Teil I)
Seit der Schlagzeile um die Vergabe von Millionendarlehen an gesponserte Spieler war es bedingt durch andere Ereignisse wie der World Series of Poker und dem Girah Skandal einige Wochen relativ ruhig um Full Tilt Poker geworden. In den letzten Tagen und Wochen häuften sich die Schlagzeilen jedoch wieder und fast sieht es so aus, als ob eine baldige Entscheidung naht. Dieser zweiteilige Artikel befasst sich mit der chronologischen Aufarbeitung der Geschehnisse um die skandalumwitterte Pokerseite Full Tilt Poker seit Ende August.
Die Internet-Newsseite Subject:Poker brachte mit einem Artikel am 26ten August erstmals wieder Bewegung in den Skandal um die einstmals weltweit zweitgrößte Onlinepoker-Plattform Full Tilt Poker. Demnach liegt die Summe der nicht vom Bankkonto der US-Spieler abgebuchten aber längst deren Onlinekonto gutgeschriebenen Einzahlungen bei 128 Millionen US-Dollar. Anders als in Europa war es US-Spielern gesetzlich nicht erlaubt ihren Zahlungsverkehr über herkömmliche Banken oder Anbieter wie Neteller/Moneybookers abzuwickeln. Stattdessen wurden häufig so genannte “E-Checks” verwendet. Problem war jedoch, dass eine Verifikation inklusive dem tatsächlichen Transfer vom Konto des Kunden auf das Konto des Pokeranbieters meist mehrere Tage/Wochen in Anspruch nehmen konnte. Aus bisher ungeklärten Gründen schrieb Full Tilt Poker die Beträge jedoch fast ausnahmslos unmittelbar nach dem Eingang der Schecks auf den jeweiligen Onlinekonten gut. Vermutet wird, das FTP sich dadurch kurzfristig einen Vorteil gegenüber dem größten Konkurrenten Poker Stars verschaffen wollte. Nach diversen unbestätigten Berichten schien diese Vorgehensweise auch durchaus nicht branchenunüblich gewesen zu sein. Die Entstehung eines 128 Millionen US-Dollar großen Vakuums, bedingt durch die Unfähigkeit diese Schecks auch Tage nach deren Eingang tatsächlich zu transferieren, überraschte jedoch viele. Unklar ist momentan inwieweit diese fehlenden Mittel in Zukunft überhaupt eingefordert werden können. Den Angaben eines FTP-Anwalts zufolge können weniger als zehn Prozent der 128 Millionen US-Dollar eindeutig zugewiesen und somit zumindest theoretisch nachträglich eingefordert werden. Aufgrund eines nach Black Friday getroffenen Abkommens zwischen FTP und DOJ verpflichtete sich der Pokeranbieter ohnehin keine weiteren Zahlungen von US-Spieler anzunehmen.
Nur wenige Tage nach diesem Artikel meldete sich Full Tilt Poker selbst mit einer seiner eher seltenen Pressmitteilungen zu Wort. Demnach verlor FTP schon vor Black Friday 115 Millionen US-Dollar an die US-Regierung. Dabei handelt es sich um von der US-Regierung aufgespürte und anschließend beschlagnahmte FTP-Geldbestände bei diversen US-Banken. Zudem befindet man sich in Verhandlungen mit sechs potentiellen Kaufinteressenten. Weitere Details zu den potentiellen Investoren sowie eine offizielle Entschuldigung sind der Meldung auch weiterhin nicht zu entnehmen.


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